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Do, 12.03.2015   |  Dortmund

Frauen im SHK-Handwerk: Eine Meisterin erzählt

Im SHK-Handwerk herrscht akuter Fachkräftemangel und es wird für Betriebe immer schwieriger, qualifizierte Auszubildende zu finden. Oft bleibt dann nichts anderes übrig, als unterqualifizierte Azubis einzustellen, die eigentlich nicht die für die Ausbildung notwendige Schulbildung mitbringen. Erstaunlich ist dabei, dass gerade Frauen in SHK-Betrieben immer noch als Exoten gelten. Denn Fakt ist: immer mehr junge Frauen interessieren sich für technischen Berufe. Mittlerweile wird jeder fünfte Handwerksbetrieb in Deutschland von einer Frau geführt. Außerdem können Frauen oft mit besseren Schulnoten als Ihre männlichen Mitbewerber punkten und können sich zu mindestens genauso guten Fachhandwerkerinnen entwickeln wie ihre Kollegen. Oftmals eignen sie sich sogar besser für Führungsaufgaben oder die Betriebsnachfolge. Eine dieser erfolgreichen Frauen ist Ulrike Harnischfeger. Die Meisterin im SHK-Handwerk führt einen erfolgreichen Betrieb in Berlin. Wir haben Frau Harnischfeger getroffen.

Xperts: Frau Harnischfeger, erzählen Sie uns doch etwas über Ihren Werdegang. Wie sind Sie zum SHK-Handwerk gekommen?

Ulrike Harnischfeger: Ich bin 1964 in Dortmund geboren. Nach dem Abitur bin ich zwischen dem Sauerland und dem Niederrhein hin und her getingelt und habe am Fließband Vergaser für VW und BMW montiert. Dann brauchte ich einen Neustart. Also habe ich eine Ausbildung im öffentlichen Dienst als JVA-Beamtin gemacht. 10 Jahre habe ich im „Knast“ in Köln gearbeitet – ein toller und interessanter Job. Direkt nach dem Mauerfall bin ich nach Berlin gezogen und habe den Beamtenstatus aufgegeben. Das war keine leichte Entscheidung und hat so manche Träne gekostet, auch in der Familie. Aber ich bin dabei geblieben, denn ich wollte ein neues Leben starten und Berlin sollte es „mitgestalten“. In Berlin wurden damals sehr viele Maßnahmen zur Frauenförderung angeboten. Es gab so viele Projekte in Berlin, gerade für „Frauen und Technik“. So entstand für mich der Wunsch, ein Handwerk zu erlernen und ich habe mich konkret für den Beruf der Gas-Wasser-Installateurin entschieden. So habe ich mit 30 Jahren die Chance bekommen, eine betriebliche Ausbildung bei der Firma Kempinger zu absolvieren, wofür ich dem Betrieb und ganz besonders dem Lehrlingsbeauftragten Manfred Böttcher auch heute noch sehr dankbar bin. Ich war so erfolgreich, dass ich direkt als Gesellin übernommen wurde. Kurz nach den Gesellinnenjahren habe ich mich dann zur Meisterausbildungs-Prüfung angemeldet. Nach bestandener Prüfung habe ich selbst als Ausbilderin in einem Projekt gearbeitet – hier wurden Jungen und Mädchen noch getrennt unterrichtet. Parallel habe ich meinen eigenen Betrieb aufgebaut, der seit 1995 erfolgreich läuft.

Welche Fördermittel haben Sie während Ihrer Aus- und Weiterbildung genutzt?

Ich habe das Meisterbafög in Anspruch genommen.

Was hat Sie während Ihrer Berufslaufbahn im SHK-Handwerk besonders motiviert?

Motiviert hat mich der Grundgedanke, etwas zu Ende zu bringen: Eine fundierte Ausbildung mit einem „meisterlichen“ Erfolg.

Gab es im Hinblick auf Ihren Beruf ein ausschlaggebendes Erlebnis, das Sie nachhaltig geprägt hat?

Nein, eigentlich nicht. Ich bin eben ehrgeizig. Außerdem bin ich in einer Generation aufgewachsen, in der man gelernt hat, dass man auch etwas leisten muss, wenn man etwas haben möchte.

Was erleben Sie in Ihrem Arbeitsalltag?

Jede Menge Arbeit, Herausforderungen, Lösungen, Erfolge und viele nette Menschen.

Wie ist der Umgang mit Frauen in der Branche? Werden Sie eher positiv oder negativ aufgenommen?

Einige Kunden rufen mich gezielt und bewusst an, weil ich eine Frau bin. Die Generation der Handwerkskollegen hat sich auch geändert - und die, die mit mir arbeiten wollen, haben sowieso kein „Geschlechter-Problem“. Die anderen bleiben meiner Meinung nach mit ihrer Einstellung in allen Bereichen auf der Strecke. Männer, die eh ein Problem mit Frauen haben - in welcher Position auch immer - denen kann sowieso keine Frau etwas recht machen. Was zählt ist das Miteinander – im Handwerk arbeiten alle Hand in Hand.

Können Sie sich an eine besonders positive oder negative Begebenheit erinnern, die etwas mit Ihrem Job und Ihrem Geschlecht zu tun hatte?

Vor Jahren ist mir ein etwas älterer Herr im fließenden Verkehr auf mein Auto hinten drauf gefahren: Er war so begeistert von meinem Werkstattauto mit dem Verweis auf meinen Meisterinnenbetrieb, dass er vergessen hat, rechtzeitig zu bremsen – schon hat es gerummst!. Ohne große Probleme ist er für den Schaden aufgekommen. Wir grüßen uns heute noch - immer mit einem Lächeln.

Was würden Sie sagen ist das Erfolgsrezept, um junge Frauen für einen Beruf in der SHK-Branche zu motivieren?

Ein wichtiger Aspekt ist die Weiterbildung und den Frauen Begeisterung für Umwelt und Technik zu vermitteln. Außerdem sollte man immer in Kontakt mit den Herstellern, Großhändlern, Kunden und Kollegen bleiben.

Welche Vorteile bietet ein Job in der SHK-Branche für junge Frauen?

Keine Vorteile - wer seinen Job mag und darin „aufgeht“ ohne sich dabei zu verbiegen, hat alles erreicht. Die Karriereleiter ist geschlechtslos und vielfältig.

Das deutsche Handwerk hat zunehmend Probleme Auszubildende zu finden, die einen Beruf in der SHK-Branche erlernen möchten. Was glauben Sie: Woran liegt das? Und warum bewerben sich besonders wenige junge Frauen in diesem Bereich?

Das große Problem ist, dass der deutsche Sprachgebrauch hauptsächlich männlich ist. Alle sprechen nur vom „Klempner“, „Installateur“ etc. Selbst die Innung und die Handwerkskammer haben es bis heute nicht geschafft, in Anschreiben, in der Werbung oder in Verzeichnissen von „Handwerkerinnen“ zu sprechen. Außerdem finde ich es problematisch, dass die Schulen keinen Werkunterricht mehr haben und es kaum noch Lernwerkstätten gibt. Die Politik hat fast alle Maßnahmen für die Metallberufe gestrichen, sodass Mädchen und Frauen kaum Chancen haben einen „Männerberuf“ zu erlernen, wenn die Sachbearbeiter/in dies nicht in einer Maßnahme befürwortet. Leider werden Berufe immer wieder politisch gelenkt.

Was müsste sich ändern, um mehr junge Leute/Frauen für die SHK-Branche zu gewinnen?

Die Betriebspraktika in den Schulen müssten unbedingt verlängert werden und die Unterscheidung zwischen Männer- und Frauenberufen muss endlich abgeschafft werden. Ein Beruf wird nicht nach Geschlecht definiert, sondern nach Qualifikationen und Begabungen besetzt.

Sie engagieren sich sehr für Frauen in der SHK-Branche. Welchen Beitrag leisten Sie hier?

Ich leiste meinen Beitrag jeden Tag mit jedem Auftrag, bei dem die Frage gestellt wird, warum ich als Frau einen so schweren Beruf ausübe. Meine Intention ist mal stark mal schwach – je nach Bedarf – folgendes mitzuteilen: „Es ist noch kein Meister -also Mann - vom Himmel gefallen, aber schon oft aus allen Wolken“. Und da sich bekanntlich im Himmel die meist weiblichen Engel befinden, habe ich mich entschlossen, eben so einer zu sein - und das von ganzem Herzen mit meisterlicher Fügung.

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